Der Kompetenzbereich „Evidenzbasierte Prävention im regionalen und kommunalen Kontext“
An der Medizinischen Fakultät Mannheim
Wir alle können etwas für unsere Gesundheit tun, etwa durch ausreichend Bewegung und gesunde Ernährung. Aber wie gesund wir sind bzw. wie gesundheitsförderlich wir uns verhalten können, ist auch davon geprägt, wo wir leben, zur Schule gehen, arbeiten oder spielen.
Ansprechperson
Prof. Dr. Falko Sniehotta
Zentrum für Präventivmedizin und Digitale Gesundheit (CPD), Abteilung Allgemeinmedizin, Medizinische Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg
Dr. Birgit Kramer
Wenn wir zum Beispiel an einer viel befahrenen Straße wohnen, sind wir Lärmbelastung und Luftverschmutzung ausgesetzt. Kinder können sich nur unsicher im Wohnumfeld bewegen. Gibt es in unserem Viertel nur wenig Bäume und Begrünung, heizen sich während Hitzewellen der Asphalt und die Häuserwände stark auf. Das kann dazu führen, dass Temperaturen gesundheitsgefährdende Höhen erreichen. Wenn dann der Weg zu Orten wie Parks, Wäldern oder Gewässern weit ist, haben wir seltener die Möglichkeit uns abzukühlen. So haben das soziale Umfeld, das Wohnviertel, die Arbeit, die Schule oder die Kommune, aber auch unsere Familie, Freund:innen oder Kolleg:innen Einfluss auf unsere Gesundheit und wie gesundheitsbewusst wir uns verhalten.
Zielsetzung
Der Kompetenzbereich „Evidenzbasierte Prävention im regionalen und kommunalen Kontext“ bearbeitet entsprechend die Fragestellung, wie Gesundheitsförderung und Prävention unter Einbezug der unterschiedlichen Lebensbedingungen der Menschen sowie den vorhandenen Strukturen und Voraussetzungen in den Kommunen bestmöglich umgesetzt werden können.
Partnerschaften mit Politik und Praxis
In unserer Arbeit ist die Vernetzung mit kommunalen und regionalen Akteur:innen für uns grundlegend, ebenso wie der Einbezug praktischer Expertise und der Bedarfe und Bedürfnisse der Bevölkerung. Wir arbeiten daher eng mit Partner:innen aus dem öffentlichen Gesundheitsdienst, der niedergelassenen medizinischen Versorgung, den Krankenkassen, der Krankenhausversorgung und der kommunalen sowie landespolitischen Ebene zusammen.
Evidenzbasierte Prävention
Ein zentrales Anliegen ist uns, dass Gesundheitsförderung und Prävention evidenzbasiert sind und möglichst viele Menschen von Angeboten, Maßnahmen oder Programmen profitieren. D.h. Maßnahmen zur Prävention und Gesundheitsförderung sollten auf wissenschaftlichen Erkenntnissen oder Theorien aufbauen und zudem auf ihre Wirksamkeit hin überprüft werden. Evidenzbasierung beinhaltet zudem, ob Maßnahmen im kommunal und regional unterschiedlichen Kontext umsetzbar und welche Rahmenbedingungen notwendig sind. So wollen wir nicht nur dazu beitragen, dass Maßnahmen wirken, sondern auch, dass die oftmals begrenzten kommunalen Ressourcen effizient eingesetzt werden.
Prävention (oder ihre Abwesenheit) ist jedoch derzeit in Baden-Württemberg, wie auch in ganz Deutschland, oft nicht evidenzbasiert. Das heißt, wir wissen oft nicht, ob oder wie Maßnahmen wirken. Entweder existiert relevante Evidenz nicht, vorhandene Evidenz kann nicht in die Praxis umgesetzt werden oder existierende Evidenz ist Entscheidungstragenden nicht bekannt, zugänglich oder nachvollziehbar. Dies führt dazu, dass häufig in Präventionsmaßnahmen investiert wird, die keinen messbaren Mehrwert für die Gesundheit der Bevölkerung haben. Darum engagieren wir uns in unserer Forschung für die Implementierung von evidenzbasierten Präventionsmaßnahmen, aber auch für die De-Implementierung von Maßnahmen, die keine Evidenz für ihre Wirksamkeit aufzeigen können.
Unsere Forschungskompetenz
Im Kompetenznetzwerk Präventivmedizin steuern wir unsere Expertise in den Bereichen Interventionsforschung, Verhaltenswissenschaften und Evaluation bei. Zu unseren thematischen und methodischen Schwerpunkten gehören dabei folgende Aspekte.
- Gesundheit von Eltern und Kindern
- Klimawandel und Gesundheit
- Prävention von Adipositas und anderen nicht-übertragbaren Krankheiten.
- Entwicklung und Erprobung von Interventionen zur Änderung gesundheits- und versorgungsrelevanter Verhaltensweisen
- Datenextraktion und -analyse